Neben dem Nakoa Brain betreibe ich ein eigenes Wissenssystem, den Radar. Beiträge, Artikel und Notizen, die mir in der Marktbeobachtung begegnen, verarbeitet ein Agent jede Woche zu Karten, ordnet sie Themen zu und verdichtet sie zu Befunden. Inzwischen sind es gut 800 Karten. Damit ist der Radar selbst eine Kontextschicht, und er zeigt im Kleinen dieselben Probleme, die wir in der ADP mit dem Kontext unserer Kunden haben (siehe Kontext als Kernaufgabe).

Drei Fälle, die geregelt werden müssen

Mit wachsendem Bestand sind drei Fälle aufgetreten, die sich nicht durch Pflege von Hand lösen lassen:

  1. Widersprüche: Zwei Karten sagen Gegenteiliges. Gewinnt die neuere Aussage, die besser belegte, oder entscheidet ein Mensch?
  2. Gleichrangige Aussagen: Zwei Aussagen sind gleich gut belegt und passen beide zu einer Frage. Nach welchem Kriterium wird priorisiert?
  3. Zeitliche Gültigkeit: Eine Preisangabe oder ein Benchmark veraltet in Monaten, ein Prinzip gilt über Jahre. Ohne Trennung veralten beide im selben Tempo.

Für den ersten Fall gibt es im Radar eine halbe Lösung: Der Agent schlägt vor, dass eine neue Karte eine ältere ablöst, gesetzt wird das aber nie automatisch. Für den zweiten Fall gibt es noch keine Regel.

Verfall ohne Kurve

Für den dritten Fall lag eine Verfallskurve nahe, etwa halbe Gewichtung nach drei Monaten und ein Viertel nach sechs. Wir haben sie verworfen. Sie hätte gerade die ältesten Karten am stärksten abgewertet, und unter denen sind viele Prinzipien, die die eigene Position tragen. Das Alter einer Karte sagt wenig darüber, ob sie noch stimmt.

Stattdessen bekommt jede Karte beim Anlegen eine Art: datiert für Beobachtungen wie Preise, Grenzwerte und Produktfunktionen, dauerhaft für Prinzipien. Nur datierte Karten müssen je nachgeprüft werden. Der Verfall wirkt beim Lesen: Ältere datierte Karten bekommen in der Ausgabe eine sichtbare Markierung, etwa „Stand Mai 2026, vor Gebrauch prüfen”. Das Urteil fällt im Moment der Verwendung, und der Agent, der liest, kennt das heutige Datum.

Ein dritter Mechanismus: Aussage und Beleg koppeln

Bisher gab es zwei Wege, Veralten zu erfassen: ein Datum an jeder Aussage oder ein Gültigkeitsintervall, das bei einer Korrektur geschlossen wird. LangChain beschreibt mit OpenWiki einen dritten. Zu jeder Aussage wird der Beleg gespeichert, auf dem sie beruht, samt seiner Version. Ändert sich der Beleg, gilt die Aussage als veraltet, erkannt durch einen einfachen Vergleich ohne Modellaufruf. Veraltet bedeutet dabei, dass der Aussage erst wieder vertraut wird, wenn ihr Beleg geprüft ist; stimmen kann sie trotzdem. Im Mittel sank die Zahl veralteter Aussagen pro Aktualisierung von 80 auf 9, die der halluzinierten von 15 auf 0.

Dieser Mechanismus ist der einzige der drei, der von selbst auslöst. Für einzelne Radar-Karten trägt er wenig, weil sich ein veröffentlichter Beitrag nicht mehr ändert. Für die Aussagen, die auf Karten aufbauen, also Themenzusammenfassungen und Beitragsentwürfe, trägt er direkt. Voraussetzung ist ein Index, der festhält, welche Aussage auf welchen Karten beruht. Den hat der Radar noch nicht.

Was das für die ADP heißt

Im Kundenkontext der ADP stellen sich dieselben drei Fragen, nur mit mehr Gewicht, weil auf diesem Kontext Empfehlungen und Aktionen beruhen. Ein Monatsziel ohne Jahresangabe, eine Grenze, die nur für eine Saison galt, zwei Aussagen von verschiedenen Ansprechpartnern, die sich widersprechen: Ohne Regeln landet all das gleichrangig im Prompt. Der Radar ist für uns die Stelle, an der wir diese Regeln zuerst ausprobieren, bevor wir sie in die ADP übertragen.